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Über Grenzen.
Ein „begehbares Bilderbuch“ über Deutschland und Polen

Geschichte ist keine abstrakte Idee, sondern von Menschen gelebte und erlebte Zeit. Im Projekt „Über Grenzen“ sind Menschen involviert, die die Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und die Jahre des Kalten Krieges unter den verschiedensten Voraussetzungen erlebt haben. Menschen aus Westdeutschland, aus der damaligen DDR, aus Polen, aus den Grenzgebieten mit ihrer besonderen Situation nach dem Krieg; Menschen deutscher Herkunft, die in Polen leben und polnischer Herkunft, die seit vielen Jahren in Deutschland wohnen, erzählen aus ihrem Leben. All diese Geschichten gehen in ein begehbares Bilderbuch ein.

Denn am Ende des Projektes entsteht eine räumliche Installation mit Bild- und Textelementen. Das Material hierfür wird von der Künstlerin anhand von etwa 50 Interviews gewonnen, die im Zuhause der oft schon sehr betagten deutschen und polnischen Interviewpartner stattfinden. Dort werden deren persönliche Erinnerungen und Geschichten, aber auch das gegenwärtige Umfeld der Gesprächssituation in Tonaufnahmen und Fotos festgehalten und anschließend als Auswahl in Malereien und großformatigen Textfahnen umgesetzt. Diese werden schließlich installativ im Ausstellungsraum zueinander gestellt und puzzleartig zu einem Gesamteindruck verknüpft. Aus den flüchtigen Begegnungen entsteht damit ein nichtlinear aufgebautes, „begehbares Bilderbuch“, das alle Gesprächssituationen enthält und dem Betrachter einen emphatischen Zugang zu einer Zeit ermöglicht, die er sonst vielleicht nur in Form objektiver Fakten aus Geschichtsbüchern kennt.

Sofakissen, Motivtapeten und Sammeltassen als Motive der Malereien werden zu Stellvertretern von Menschen. Sie erzählen Geschichten, die zwar nur ihre Besitzer kennen, die der Betrachter aber erahnen kann. Die fragmentarisch dargestellten Raumsituationen erinnern an Zeiten, die schon vergangen sind und immer mehr aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden. Damit erhält die Installation eine zeitdokumentarische Ebene. Die runden oder ovalen Umrissformen der Malereien erinnern dabei an Spiegel, über die die vergangenen Raumsituationen in einem flächenmäßig begrenzten Ausschnitt gesehen werden können. Zugleich nehmen die Umrissformen formal Bezug auf den Wandschmuck der dargestellten Räume, deren Wände beispielsweise mit Porzellantellern oder Spruchtäfelchen behängt sind. Die gezeigten Gegenstände fungieren in ihren ursprünglichen Orten meist als Statussymbole oder Erinnerungsstücke. Ihre „Konservierung“ über viele Jahre hinweg dient auch der Zurschaustellung „besserer“, gelebter Zeiten. Sie sagen etwas über eine bestimmte Generation und deren Geisteshaltung aus.

Aus der Vorlage alter Schwarz-Weiß-Fotografien entstehen „Umrissbilder“ der interviewten Personen und ihrer Familien. Von diesen kann der Betrachter Bräuche, Lebensstandards und Lebensgewohnheiten ablesen. Design, Mode und Frisuren verweisen klar auf die 30er und 40er Jahre und konfrontieren den Betrachter mit einer Zeit, die für ihn meist negativ besetzt ist.

Das Projekt „Über Grenzen“ lässt auf subtile Weise die Geschichte zweier Länder über Jahrzehnte hinweg aufleben. Dabei geht es nicht um wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern um ein sensibles Stimmungsbild. Geschichte wird auf sehr persönliche Weise von unterschiedlichen Blickwinkeln aus darstellt und wertfrei wiedergegeben. In der Summe ergeben die gemalten Lebensräume einen neuen, künstlerischen Raum, der Gemeinsamkeiten und Besonderheiten beider Kulturen nebeneinander stellt und zusammenführt.

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